Deine Plattform für Eisenbahn Simulationen!

gonz
Benutzeravatar
Team
Beiträge: 971
Registriert: 12.07.2015, 14:24
Wohnort: Wildemann / Harz
EEP-Version: 15

Details von Weichen u. Bezeichnungen

Hallo ihr lieben,
und nochmal @LST_Malocher 

Ich möchte das Thema mal auskoppeln aus dem Thread "wie die reale Eisenbahn wirklich ist", um dort nicht zu viel Durcheinander zu erzeugen. Aber es interessiert mich wirklich :) Ich bin halt, wie ich immer wieder merke, wirklich "Modellbahner", zum Beispiel spreche ich von Epoche III etc... Da ich mich allerdings eben auch mit "realen" Plänen von alten Bahnanlagen herumschlage und versuche, die möglichst realitätsnah dazustellen... Also... Man ergänze oder korrigiere mich bzw. schreibe "daneben", wie es bei der "richtigen" Eisenbahn heißt :)

Ich fange mal mit einer ganz "normalen" Weiche an, zB EW-89-190-1:9 ( was die Weichengeometrie beschreibt, und hier nicht weiter interessiert, 190m Radius und ein Steigungsverhältnis des abzweigenden Gleises von 1:9 ). Aber davon reden wir nicht. Sondern es geht um folgende Bezeichnungen bzw. Details:

- Rein geometrisch besteht die Weiche aus einem geraden Zweig und einem gebogenen. Sie kann im Modellbahner-Sprech also auf "Fahrt" (gerade) oder "Abzweig" (gebogen) stehen. Wenn sie eine Weichenlaterne hat, wird das vom Stammgleis kommend signalisiert durch einen senkrechten weißen Balken auf der Weichenlaterne (für "Fahrt") oder einen diagonalen Balken in Richtung des gebogenen Gleises für "Abzweig". Soweit außer der Bezeichnung "Fahrt" oder "Abzweig" klar glaube ich.

- Es gibt (meistens) eine ausgezeichnete "Grundstellung" ( die anders heißen mag ). Die Weiche wird, wenn sie nicht für eine Fahrstraße oder beim Rangieren umgestellt wird, immer in die Grundstellung geschaltet. Das ganze deshalb, um bei ungewollten Bewegungen von Fahrzeugen ( ... zB Wegrollen von ungebremsten Waggons, Rangierfahrten, etc ) den Schaden minimal zu halten. Dazu gehört der "Flankenschutz" für eingestellte Fahrstraßen. Bei ortsbedienten Weichen mit einem mechanischen Stellhebel wird diese Grundstellung durch eine weiße Markierung am Stellgewicht gekennzeichnet, die in Grundstellung oben ist ( damit kann man im Betrieb auch leicht erkennen, ob alles ok ist ) ( bei Weichen ohne Grundstellung ist diese Markierung gelb ).

- die Weiche hat einen Antrieb ( mechanischer Stellhebel, "Kasten" für mechanisches oder elektrisches Stellen aus der Ferne ). Dieser ist meist ( weil es die Mechanik vereinfacht ) auf der Seite, auf der auch die Weichenlaterne ist. Das muß aber nicht der Fall sein, wie verschiedene Beispiele zeigen. Die Position des Antriebs richtet sich zB nach den örtlichen Platzverhältnissen, bei ortsbedienten Weichen der einfachen/sicheren Zugänglichkeit ( Unfallverhütung ) oder bei ferngestellten Weichen nach der Zuführung von Seilzügen oder den elektrischen Leitungen vom Stellwerk. Die Position der Weichenlaterne richtet sich nach betrieblichen Belangen ( sie soll eben gut sichtbar sein ). 

Soweit :)

Nun ist die Frage, wie das ggf. im Gleisplan gekennzeichnet ist, und es gab die Aussage, dass die Seite, auf der die Weichennummer vermerkt ist, die ... ja was denn genau angibt? Ich meine dass in meinem aktuellen Plan von Börssum die Position der Weichennummer die Position der Weichenlaterne ist. Aber das ist bisher nur eine Vermutung :)

Grüße aus dem Harz
Gerhard/Gonz
Ausstattung: Intel i5-4460 3.2GHz | 12 GB RAM | Windows 8.1 64 Bit | GForce GTX 760 | EEP 15
Interessen: Norddeutschland "zwischen Harz, Weser und Heide" mit Dampf und Diesel unterwegs in der "guten alten Zeit"
Aktuelle Projekte: Altenau/Harz und Börssum nach Gleisplänen von 1920 bis 1961 und Ausgestaltung gem. Epoche III/IV
LST-Malocher
Kein Avatar
Beiträge: 11
Registriert: 29.01.2019, 22:53
Wohnort: Wuppertal
EEP-Version: EEP 13.2 Plugin 1

AW: Details von Weichen u. Bezeichnungen

Hallo Gerhard, erst mal muß ich zu meiner Schande gestehen, daß ich noch nie von einem Gleisplan gehört habe. Ich kenne Signallagepläne, auf denen neben den Signalen auch Weichen, Achszählkontakte, Bahnhofs - und Streckengleise, Indusischaltmagnete etc. dargestellt sind. Es gibt viele andere wie Verschlusspläne, die darstellen welche Abhängigkeiten es zwischen Weichen, Signalen und Fahrstraßen gibt. Es gibt Kabellagepläne, Kabelübersichtspläne, (Schaltschrank) Klemmenbelegungspläne.. wer wäre da nicht überfordert.
Meiner Meinung nach kommt Deiner Beschreibung des 'Gleisplans' am ehesten der Signallageplan in Frage. Den sollte es für jeden Bahnhof, Block - oder Abzweigstelle geben. Auf diesem Plan sollte aber ein Genehmigungsdatum von einer Reichsbahndirektion stehen, was einen Aufschluss auf die verwendete Stellwerkstechnik geben könnte. Ich weiß nicht wie alt der Bahnhof Börssum ist, es gab ganz früher mal Schlüsselstellwerke, da wurden Weichen von Hand gestellt, in der richtigen Lage mit Zungenschlössern verschlossen, der Schlüssel abgezogen und zum Fahrdienstleiter gebracht. Dafür gab es immer 2 Schlüssel, einen für die Pluslage und einen für... rate mal. Der Fahrdienstleiter mußte alle entsprechenden Schlüssel in seiner Hebelbank einsetzen um die entsprechende Fahrstrasse einzustellen. Ich vermute diese Technik wurde seit der Einführung des 'Einheitsstellwerks' nur noch in Ausnahmefällen (Provisorium) verwendet, heute kann man das nur noch in Eisenbahnmuseen sehen.
Handgestellte Weichen gibt es seit sehr langer Zeit nicht mehr in Fahrstrassen, nur noch in Vorbahnhöfen, Gleisanschlüssen etc.
Zu Deiner Frage : wenn der Gleisplan ein Signallageplan ist, wie ich vermute, dann gibt er keine Aussage über eine Weichenlaterne oder den Weichenantrieb. Die Grundstellung der Weiche wird allerdings bei älteren Stellwerkstechniken mit einem + Zeichen gekennzeichnet. Das hilft Dir nicht wirklich weiter, Du mußt Dich an historischen Fotos orientieren, soweit Dukannst, ansonsten hilft nur Improvisieren.
Gruss Michael
Intel I 7 950, 3,2 Ghz, 24 GB, Nvidia GTX 1060 6 GB, Win 7 und Linux, EEP 13.2
ap-ka
Benutzeravatar
Beiträge: 133
Registriert: 04.01.2014, 17:07
Wohnort: Karlsruhe
EEP-Version: EEP14 (EEP6)

AW: Details von Weichen u. Bezeichnungen

Hallo in die kleine Runde,

was Gerhard mit Gleisplan meint, ist in seinem Fall der Gleislageplan (IVL-Plan, IngenieurVermessungLage) mit Angaben zu Radien, Übergangsbögen, Neigungen, Gleisabständen, Weichen(typ)bezeichnungen. Signale sind in diesen Plänen meist nur mit Bezeichnung und Typ vorhanden, geben aber keinen genauen Hinweis auf die Bauart.
Die Weichennummer gibt m.E. keinen Hinweis auf die Lage des Antriebs oder Laterne - der Zeichner setzt die Nummer dorthin, wo sie im Plan am Besten zu lesen ist.

Das mit dem "+" für die Grundstellung kann ich bestätigen; wohl aber nur bei ortsgestellten Weichen (Handweichen in Modellbahner-sprech ;) ).

Gruß
Andreas
gonz
Benutzeravatar
Team
Beiträge: 971
Registriert: 12.07.2015, 14:24
Wohnort: Wildemann / Harz
EEP-Version: 15

AW: Details von Weichen u. Bezeichnungen

Hallo Andreas,

das wird so stimmen. Diese Pläne wurden soweit sie mir vorliegen größtenteils von den ehemaligen Mitarbeitern der Dienststellen vor Ort "aus dem Altpapier" geborgen, es gab zumindest in Goslar und Börßum solange die Dienststelle bestand eine "Plankammer", und offenbar wurden in diese Pläne je nach Bedarf so Dinge wie die Lage von Abwasserleitungen, Sickergruben, Stomleitungen etc eingezeichnet. Eben das, was die Mitarbeiter der Bahnmeisterei so brauchten. 

Es sind auch die Grundstücksgrenzen eingezeichnet und die jeweiligen Eigentümer oder Flurstückbezeichnungen der anliegenden Flächen, was ja auch mal von Belang sein konnte, sowie die Hochbauten und so Dinge wie Wasserkräne, Gleisfeldleuchten, etc.

Sehr hilfreich ist auch die gut dokumentierte Streckenkilometrierung, die eine genaue Verortung ermöglicht, wo Hektometersteine oder -Tafeln mit auf die Bilder geraten sind.

Nebenbei macht es natürlich bannig Spaß, das Ganze sozusagen als "Puzzle" zu betreiben, und so manches Gespräch mit einem gerne auskunftsbereiten "Ehemaligen" ist eine bleibende Erinnerung. 

Mit besten Grüßen
Gerhard/Gonz


Nachtrag : Der "große" Plan, nach dem ich an Börssum baue, ist vom Reichsbahn-Vermessungsamt Hannover ( noch 1949 so bezeichnet ). Er trägt die Bezeichung JSL, was aber meines Kenntnisstands nach nur auf einen Bahnhofsplan im M 1:1000 hindeutet. Der Plan zu Altenau Stand 1961 trägt nur noch die Angabe "Bundesbahndirektion Hannover" und ist mit JSLz bezeichnet, wobei das "z" für die Maßstabsverzerrung 1:1000 / 1:3000 stehen dürfte. Diese letzten beiden Pläne sind aus dem Gleisplanarchiv ( Gernot Lüdemann ). 
Ausstattung: Intel i5-4460 3.2GHz | 12 GB RAM | Windows 8.1 64 Bit | GForce GTX 760 | EEP 15
Interessen: Norddeutschland "zwischen Harz, Weser und Heide" mit Dampf und Diesel unterwegs in der "guten alten Zeit"
Aktuelle Projekte: Altenau/Harz und Börssum nach Gleisplänen von 1920 bis 1961 und Ausgestaltung gem. Epoche III/IV

Ähnliche Themen

Besuch in der Werkstatt von RG2 und JE1
in JE1 - Jürgen Engelmann von OM 321 mit 116 Antworten
Microdioramen von EG1
in Modellbahnnahe Anlagen von OM 321 mit 55 Antworten
Wir verwenden Cookies, um dir bestimmte Funktionen auf unserer Website bereitzustellen, durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden das Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren? Okay!